Nach Milliarden von Jahren der Evolution und des Überlebenskampfes inspirieren die Vielfalt und die verschiedenen speziellen Funktionen der Lebewesen in der Natur die menschliche Vorstellungskraft und Kreativität. Geckos können auf Felswänden, Baumstämmen, Wänden, Decken und sogar auf senkrechten glatten Glasplatten regungslos stehenbleiben oder mühelos herumlaufen, was seit langem die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zieht. Der griechische Philosoph Aristoteles führte diese Haftkraft auf eine übernatürliche Kraft zurück. Später vermuteten Wissenschaftler, dass der Haftmechanismus der Geckofüße Siphonierung, mikroskopische Verriegelung, Reibung oder elektrostatische Anziehung sein könnte. Angesichts der Tatsache, dass Geckos auch im Vakuum auf senkrechten glatten Glaswänden regungslos stehenbleiben oder mühelos klettern können, kann die Haftkraft der Geckofüße mit der Vakuumkraft nicht erklärt werden. Die Luftionisierung hat keinen Einfluss auf die Haftkraft der Geckofüße, und elektrostatische Anziehung wird ebenfalls ausgeschlossen. Die Geckofüße enthalten keine Drüsen und sezernieren keine Flüssigkeiten, und es handelt sich auch nicht um herkömmliche Klebstoffe. Im 19. Jahrhundert beobachteten Wissenschaftler eine ungewöhnliche Mikrostruktur der Geckofüße. Im Jahr 1965 wurde mit einem optischen Mikroskop beobachtet, dass die Geckofüße Millionen von Borsten aufweisen, die jeweils aus 100 bis 1.000 Filamenten bestehen, deren Radius zwischen 0,2 und 0,4 Mikrometern liegt. Seit dem Jahr 2000 haben US-Wissenschaftler wie Autem die Haftkraft der Geckoborsten mit MEMS-Technologie (mikroelektromechanische Systeme) gemessen und festgestellt, dass beim sehr nahen Kontakt der Borsten mit der Oberfläche eines Objekts eine schwache molekulare Wechselwirkung, die sogenannte Van-der-Waals-Kraft, entsteht. Obwohl die Kraft jedes Kontaktpunkts sehr gering ist, kann eine Anordnung von Millionen von Borsten eine Haftkraft erzeugen, die das Gewicht des Geckos übersteigt. Der Gecko haftet auf einer Oberfläche, indem er die Borsten mit der Oberfläche in Kontakt bringt. Das Geheimnis seines schnellen und mühelosen Laufens liegt in der schnellen Bildung und dem schnellen Verschwinden der Van-der-Waals-Kraft.
Autem und seine Kollegen fanden außerdem heraus, dass die Haftkraft der Geckofüße nur dann gemessen werden kann, wenn die Borsten relativ zur Kontaktfläche eine gewisse Gleitbewegung ausführen. Diese Gleitbewegung könnte darin bestehen, den Winkel der Borsten ständig anzupassen, um eine optimale Kontaktfläche zwischen den Borsten und der Kontaktfläche zu gewährleisten. Die Muskel- und Nervengewebe an der Basis der Borsten regulieren die Haft- und Antihaftfunktion der Borsten auf der Geckofußsohle. So können die Borstenzellen aktiv haften, antihaften und zwischen Haft und Antihaft wechseln. Natürlich könnte auch elektrische Energie beteiligt sein, damit der Gecko schnell und mühelos klettern kann.
2005 fanden Wissenschaftler wie Hu Bo außerdem heraus, dass die Kapillarkraft eine wichtige Rolle bei der Haftkraft der Geckofüße spielt. Selbst bei einer einzigen Schicht von Wassermolekülen kann die Haftkraft stark beeinflusst werden, und diese Wassermolekülschicht kann sehr leicht durch die Absorption von Wasser aus der Luft gebildet werden. Experimente zeigten, dass die Haftkraft mit zunehmender Luftfeuchtigkeit zunimmt. Wenn die Luftfeuchtigkeit von 0 auf 70 % steigt, erhöht sich die Haftkraft einer einzelnen Borste fast um das Doppelte. Wissenschaftler sind sehr daran interessiert, diese Borsten nachzuahmen. Allerdings sind die derzeit hergestellten „künstlichen Borsten“ zwar in der Lage, eine gewisse Haftkraft zu erzeugen, leiden jedoch unter gegenseitigem „Kleben“ und können nicht leicht zwischen Haften und Loslassen von Oberflächen wechseln. Es scheint also noch viele ungelöste Geheimnisse der Geckofüße zu geben!

