Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden nicht wasserlösliche feste Oxide als Erden bezeichnet. Seltene Erden sind eine Gruppe von schwer löslichen Metalloxiden. Da sie bei ihrer ersten Entdeckung sehr selten und ungewöhnlich waren, wurden sie „Seltene Erden“ genannt. Die Metalle dieser Metalloxide werden als Seltene-Erden-Elemente bezeichnet. Zu den Seltene-Erden-Elementen gehören alle 15 Elemente der Lanthaniden-Gruppe im Periodensystem sowie die Elemente Skandium und Yttrium aus der dritten Nebengruppe.
Es dauerte mehr als 150 Jahre von der Entdeckung des ersten Seltene-Erden-Elements Yttrium durch den finnischen Wissenschaftler Gadolin im Jahr 1794 bis zur Herstellung des letzten Seltenen-Erden-Elements Promethium durch den Amerikaner Marinskij et al. im Jahr 1947, bis alle 17 Seltene-Erden-Elemente gefunden wurden. Inzwischen ist bekannt, dass zu den Seltenen-Erden-Elementen alle 15 Elemente der Lanthaniden-Gruppe (La, Ce, Pr, Nd, Pm, Sm, Eu, Gd, Tb, Dy, Ho, Er, Tm, Yb, Lu) sowie die Elemente Skandium (Sc) und Yttrium (Y) gehören. Da Skandium und Yttrium häufig zusammen mit Lanthaniden in Mineralien vorkommen und ähnliche chemische Eigenschaften aufweisen, werden sie ebenfalls zu den Seltenen-Erden-Elementen gezählt. Ihr gemeinsames Merkmal ist, dass die Elektronen zuerst die äußerste Schale füllen und anschließend die inneren 4f- und 5d-Schalen besetzen.
Die Seltenen-Erden-Elemente sind typische Metalle, deren chemische Aktivität nur geringfügig hinter der von Alkalimetallen und Erdalkalimetallen zurückbleibt, aber größer ist als die anderer Metalle. Die Seltenen-Erden-Elemente sind weich, haben einen silberweißen Glanz und ausgezeichnete elektrische Leitfähigkeit. Ihre hohe chemische Aktivität ermöglicht es ihnen, Verbindungen mit Sauerstoff, Schwefel und Halogenen einzugehen. Sie sind in feuchter Luft nicht lagerfähig und lösen sich leicht in verdünnten Säuren.
Aufgrund ihrer hohen chemischen Aktivität waren die Entdeckung, Herstellung und Trennung der Seltenen-Erden-Elemente nicht einfach. So wurde das letzte entdeckte Seltene-Erden-Element Promethium von drei Wissenschaftlern, Marinskij et al., aus den Produkten der Uran-Spaltungsexperimente mit Hilfe der Ionenaustausch-Trennmethode sorgfältig isoliert und gereinigt. Damals glaubte man, dass dieses Element in der Natur überhaupt nicht vorkäme und es sich um ein echtes „Seltenes-Erden-Element“ handelte. Erst 1965 wurde Promethium in einer Phosphatfabrik in Finnland bei der Verarbeitung von Apatit gefunden. Allerdings ist sein Gehalt in der Natur sehr gering und erreicht nur Spurenwerte. Der Gehalt wird in absteigender Reihenfolge als massiv, gering, mikroskopisch und spurenhaft bezeichnet.

