Da die Lebensdauer eines Menschen eng mit der Zellteilung und -vermehrung verbunden ist, könnte man theoretisch unsterblich werden, wenn Zellen ewig leben würden? Das klingt zunächst plausibel. Allerdings halten menschliche Zellen das Leben durch einen ständigen Austausch von Tod und Neubildung aufrecht. Selbst wenn einige Zellen unsterblich wären, würden sie nur eine winzige Minderheit darstellen. Solche wenigen unsterblichen Zellen würden ungehindert in das Territorium anderer normaler Zellen eindringen, deren Nährstoffe an sich selbst binden und andere Zellen zum Absterben bringen. Solche Zellen sind Krebszellen, die letztlich das Leben des Menschen auslöschen können!
Im Jahr 1951 wurden in der Gebärmutter einer 31-jährigen Amerikanerin unsterbliche Zellen gefunden. Diese Zellen, die später als HeLa-Zellen bezeichnet wurden, forderten jedoch bald ihr Leben. 60 Jahre später teilen sich die HeLa-Zellen immer noch alle 24 Stunden und vermehren sich unaufhörlich. Viele Labors auf der ganzen Welt lagern HeLa-Zellen, um sie als Modellzellen für die Krebsforschung zu nutzen und zur Bekämpfung von Krebs beizutragen.
Warum sind HeLa-Zellen unsterblich? Dieses Rätsel wurde nun gelöst. Das Geheimnis liegt in der Tatsache, dass die „Lebensuhr“ dieser Zellen immer auf „Null“ steht, d. h. die Teilung der HeLa-Zellen geht nicht mit einer Verkürzung der „Telomere“ einher. Warum ist das so? Die amerikanischen Wissenschaftler Blackburn, Greider und Szostak fanden die Antwort. Sie entdeckten, dass die Unsterblichkeit der HeLa-Zellen auf eine Kombination aus RNA und Protein zurückzuführen ist, die offiziell als „Telomerase“ bezeichnet wird. Bei jeder Teilung der HeLa-Zellen verkürzen sich die Telomere zwar um einige Basen, werden aber sofort durch die Telomerase erneuert. Da die Telomerase die Länge der Telomere automatisch aufrechterhält, bezeichnen viele Biologen sie als „Unsterblichkeitsenzym“.

