In vielen Tierdokumentationen sehen wir häufig Szenen, in denen Elternvögel in ihren Nestern sitzen und ihre neugeborenen Küken füttern, bis diese selbstständig werden; Schildkröten hingegen legen ihre Eier einfach in den Schlamm am Ufer und vergraben sie. Nach einer Weile picken sich die kleinen Schildkröten selbst aus den Eierschalen und beginnen ihr eigenes Leben. Warum müssen nur Vögel ihre Eier ausbrüten, während Schildkröten das nicht tun?
Vogeleier und Schildkröteneier haben eine ähnliche Grundstruktur, unterscheiden sich jedoch in ihrer Form. Vogeleier sind meist oval oder kugelförmig, während Schildkröteneier eher langgestreckt sind (bei Meeresschildkröten ähneln sie einem Tischtennisball). Die Außenseite der Eier ist mit einer harten Kalkschale und einer Amnionhülle bedeckt, in der sich der Embryo und die für seine Entwicklung notwendigen Nährstoffe, nämlich das Eiweiß und das Eigelb, befinden. Die Embryonalentwicklung ist ein komplexer physiologischer Prozess, der eine geeignete Umgebungstemperatur erfordert. Vögel sind warmblütig und können durch ihren Stoffwechsel Wärme erzeugen. Während der Brutzeit bilden Vögel einen nackten Brutfleck auf ihrem Bauch, über den sie Wärme an die Eier abgeben und deren Temperatur auf einem geeigneten Niveau halten. Schildkröten hingegen sind kaltblütig und erzeugen nur sehr begrenzt Wärme durch ihren Stoffwechsel. Da sie keine konstante Körpertemperatur aufrechterhalten können, können Schildkröten natürlich keine Eier ausbrüten und müssen stattdessen die Eier in Schlamm oder Sand vergraben, um dem Embryo eine relativ konstante äußere Umgebung zu bieten.
Tatsächlich ist es nicht nur bei Schildkröten so. Das Ausbrüten von Eiern ist eine Fortpflanzungsweise, die nur bei warmblütigen oder thermoregulierenden Tieren vorkommt.

